BMW Tuning in der virtuellen Welt

bmw
Jan liebte Browserspiele. Wann immer in einschlägigen Foren das Release eines neuen Browserspiels angekündigt wurde, probierte Jan es aus. In verschiedenen Browserspielen hatte Jan bereits großen Ruhm geerntet. Doch irgendwie forderten ihn Die Stämme, Travian und Konsorten nicht mehr. Zu groß war sein Vorteil dort, sodass er dort keinerlei Druck mehr durch Konkurrenz verspürte, wodurch diese Spiele ziemlich langweilig wurden. Als Internet Dweeb war er einfach ein uneinholbarer Spieler in den Ranglisten jener Browserspiele, auf die er sich konzentrierte. Da er nahezu seinen gesamten Alltag darin kanalisierte, zum virtuellen Substitut von Ruhm und Anerkennung zu kommen, hatte er alle, die in dieser Hinsicht weniger beherzt waren, weit hinter sich gelassen.

Doch nun verhieß eine neue Meldung, dass schon bald das Release eines neuen Onlinespiels kurz bevor stand. Bleifuß.de sollte ein Spiel werden, indem es mit horrender Online Statistik allein nicht getan sein sollte. Ebenso waren auch technisches Know-How sowie Geschick gefragt. Jan meldete sich gleich als VinDiesel87 an. Die Entwickler hatten alle Automarken (aus Copyright Gründen mit leicht veränderten Namen) ins Spiel eingebunden. Jan entschied sich als Startauto einen 5er BMW zu wählen. Im Rahmen seiner zu Spielbeginn begrenzten Möglichkeiten machte er sich sogleich an das
BMW Tuning. Schnell gründeten sich erste Rennställe (vergleichbar mit den Gilden, wie man sie aus anderen Spielen kannte – darunter die Porsche Proleten, die Honda Hunters oder der Freikorps für Instandhaltung und absolutes Tuning, kurz Fiat). Doch Jan zog es vor, als mysteriöser Einzelkämpfer zu operieren und die Rennstrecken des Servers alleinfe zu erobern.

Er nahm mit relativem Erfolg an einigen Rennen teil, was einige Credits einbrachte, die er umgehend in weitergehende Gewichtsreduzierungen seines BMW und in einen Sportauspuff investierte. Dadurch steigerte er seine PS Zahl um weitere 24 PS. Zwischendrin musste Jan jedoch eine kleine Pause einlegen, da er von seiner Mutter damit beauftragt wurde, mit dem Fahrrad zum Bäcker zu fahren. Als er zurück kam stieg er wieder in seinen virtuellen 5er BMW und schaffte sich durch sieben Stunden ununterbrochenen Spielens einen entscheidenden Vorteil. Mittlerweile war er in einigen virtuellen Stadtteilen von “Nerd York“ zum oberkrassesten Fahrer aufgestiegen. Seine unsichtbaren Mitspieler bewunderten sein nicht existentes Fahrzeug über alle Maßen. Jan war ein wenig enttäuscht, da sich wieder einmal zeigte, dass es außer ihm keinen Menschen gab, der die Sache so ernst nahm wie er. Die Entwickler ernannten ihn indes, da er ja offensichtlich ohnehin genügend Zeit hatte, zum Moderator. So wurde Jan zum gelangweilten Alleinherrscher von “Nerd York“.