Neue Patientenbetreuung sorgt für günstigen Zahnersatz
Dr. Hartmund Weiß war ein Zahnarzt am Bodensee. Seine Praxis dort erfreute sich seit Einführung seiner neuen Kommunikationsstrategie eines so regen Zulaufs wie nie zuvor.
Seine innovative Kommunikationsstrategie beinhaltete neben einer sehr ausführlichen Anamnese (bei Erstpatienten) auch ein breites Programm für alle größeren und kleineren Wehwehchen, an der seine Patienten so leiden konnten. Dr. Hartmund Weiß erweiterte seine Praxis um ein Heer an Gerätschaften, sodass er mit den allen denkbaren individuellen Problemen seiner Patienten Schritt halten konnte.Kommunikation
Die Patienten nahmen diesen Wandel wohlwollend zu Erkenntnis, sodass Hartmund Weiß schon bald im gesamten Ort ein beliebter Mann war. Die Einnahmen seiner Zahnarztpraxis überstiegen den Gemeindehaushalt schon bald bei Weitem. Unter anderem kamen auch Patienten aus den Nachbarorten und der Zahnklinik Berlin zu ihm, was Hartmund Weiß fließende Einnahmen und neidische bis hasserfüllte Blicke seiner Kollegen aus eben jenen Nachbarorten einbrachte. Schon bald berichteten erste regionale Tageszeitungen von seinem neuen Behandlungs- und Kommunikationskonzept, das eine größtmögliche Einbindung des Patienten bedeutet und diesem auch weitreichende Einblicke in die Zahnmedizin ermöglichte. “Patienten wieder mündig“, lautete eine Überschrift. Eine andere Überschrift erklärte Dr. Hartmund Weiß zum “Zahnarzt aus Leidenschaft“. Richtig Aufsehen erregte der Zahnmediziner, als er eine Kooperation zwischen seiner Praxis und einem Hersteller für Zahnersatz ins Leben rief. “cheap prothesis “, witzelte daraufhin eine überregionale Zeitung.
Die zusätzliche Publicity entwickelte sich zu einem Katalysator für die Einnahmen, die immer weiter und weiter stiegen. Mittlerweile hatte Dr. Hartmund Weiß sein Team um zwei weitere Helferinnen erweitern müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Dennoch waren die Gewinne höher als je zuvor. Die Erfolgsstory des Zahnarztes vom Bodensee veranlasste bald auch den Spiegel über den “Zahnflüsterer“ zu berichten. Außerdem wurde Dr. Hartmund Weiß in mehrere Talkshows eingeladen und in einen Ausschuss zur Ausarbeitung einer neuen Gesundheitsreform berufen.
Kreischende Teenies waren mittlerweile auch keine Seltenheit mehr vor der Praxis des Hartmund Weiß. Langsam aber sicher wuchs es ihm über den Kopf. Mit soviel Ruhm hatte er nicht gerechnet. Er sollte sogar den Nobelpreis für Zahnmedizin, ein Preis den man nur seinetwegen ins Leben gerufen hatte, noch dieses Jahr entgegennehmen. Es war so unwirklich, dass es Hartmund Weiß selber wie ein Traum vorkam, von dem er sich nicht mehr sicher war, ob er ihn überhaupt wollte. Alles was er ursprünglich wollte, bestand darin, seinen Patienten ein besseres Angebot zu machen. Dass er damit eine Hysterie solchen Ausmaßes lostreten würde, hätte er nie gedacht. Doch dann kam der Moment, der ihn zum Umdenken brachte.
Als sich wieder einmal ein “Patient“ als Paparazzi entpuppt hatte, der vom Patientenstuhl aufsprang und wie wild Bilder vom Innern des Behandlungsraums und von einem verdutzen Hartmund Weiß schoss, da riss Hartmund weiß die Hutschnur! Er beförderte den Störenfried unsanft aus der Praxis und forderte seine Patienten im Wartezimmer auf (unter ihnen waren auch einige, mit Hartmund Weiß Fanartikeln eingekleidete, Japaner), die Praxis sofort zu verlassen. Danach schickte er sein Team nach Hause und setzte sich alleine in sein Büro. Er war an einem Punkt angekommen, an dem es nur noch zwei Möglichkeiten gab, mit dieser Prominenz fertig zu werden. Er musste entweder kokainsüchtig werden oder einfach aufhören berühmt zu sein. Eine Armee kreischender Teenies, die ihn erschreckte als er nachdenklich ans Fenster trat und den Vorhang lichtete, festigte schließlich seinen Entschluss.
Er kehrte wieder zu den Wurzeln seines Berufs zurück: Löcher stopfen, professionelle Pflege, ab und an eine tooth prothesis herstellen und Karies und Zahnstein entfernen – das war’s! Und mit dem Schwund seines Universalangebots schwand auch seine Prominenz. So war Dr. Hartmund Weiß schon fast erleichtert, als man ihn ins RTL Dschungelcamp einladen wollte, um dort Umgang mit anderen gescheiterten Promis zu haben. War dies doch das deutlichste Anzeichen für ihn, dass sein Stern endlich am Sinken war.