Vom Computerspielsüchtigen zum plastischen Chirurgen

Das ist eine Karriere, die nicht ganz so schwer vorstellbar ist, wie es zunächst den Anschein hat. Heutzutage wird mit komplexer Computer Software gearbeitet, um die Ergebnisse eines plastisch chirurgischen Eingriffs zu simulieren. Dadurch sind die Prognosen mittlerweile so genau, wie nie zuvor. Das entbindet zwar keinen plastischen Chirurgen von seiner Pflicht, die gewünschten und simulierten Ergebnisse bestmöglich in die Realität umzusetzen Doch es macht vieles erheblich einfacher.

So ist es den Patienten nun möglich aktiv am Computer über ihre kosmetischen Korrekturen mitzubestimmen. Dadurch können sich die Patienten ein treffendes Bild über die zu erwartenden Veränderungen ihres Aussehens machen. Der verantwortliche Chirurg hat genaure Kenntnis über das gewünschte Resultat. Eingedenk dieser Einbindungen des Computers in die Plastische Chirurgie, können Vorkenntnisse, wie sie jeder Zocker gewiss mitbringt, nicht schaden.

Die Software arbeitet stets mit einem eingescannten Bild des Patienten. Dieses Bild kann dann auf subtile Art und Weise bearbeitet werden, um möglichst naturgetreue Ergebnisse zu erzielen. Dadurch nähert man sich den tatsächlichen Ergebnissen eines operativen Eingriffs erstaunlich nahe an. Durch das anschauen verschiedener Varianten am Bildschirm können plastischer Chirurg und Patient die beste Übereinkunft treffen, was Machbarkeit und Anspruch anbelangt. Zudem sind die Patienten sehr genau darüber informiert, welche kosmetischen Veränderungen sie von der Operation zu erwarten haben. Durch diese klare Zielvorgabe wissen sowohl Patient als auch Chirurg woran sie sind. Vorteilhaft ist auch, dass die Software Programme bei allen denkbaren Korrekturen eingesetzt werden können. Die computergestützte Simulation lässt sich bei Nasenkorrekturen, Gesichtsstraffung, Brustvergrößerungen und –Straffungen etc. einsetzen.

Das die Nachfrage nach Schönheitsoperationen auch hier in Deutschland höher ist als je zuvor, ist auf die relativ gute Machbarkeit zurückzuführen. An dieser Entwicklung haben natürlich verbesserte Operationsverfahren, größere Expertise durch Erfahrung und eben die Computer Simulationen Anteil. Allerdings geht der Schönheitswahn und Körperkult mittlerweile schon so weit, dass sogar plastische Chirurgen selbst davor warnen. Häufig würde viel Eingriffe allzu leichtfertig angestrebt. Dabei geht es vor allem um jugendliche Mädchen, die Schönheitsoperationen durchführen lassen wollen, obwohl dazu objektiv kaum Bedarf besteht. Abgesehen davon ist ein solcher Eingriff bei Menschen, die noch im Wachstum sind, ohnehin fragwürdig. Nichts desto trotz werden 10% aller plastischen Operationen (mit ästhetischem Hintergrund) bei Menschen unter 20 vorgenommen. Viele davon aus den USA. Dort wird die Brustvergrößerung oder die Nasenkorrektur sogar teilweise als Geschenk von den Eltern zum High School Abschluss gemacht.

Jeder professionell plastische Chirurg mit ethischem Bewusstsein wird von solchen OPs bei Jugendlichen aber Abstand nehmen. Das herumoperieren am noch nicht vollständig ausgereiften Körper ist nämlich niemals unbedenklich. Ausnahmen bestehen natürlich, wenn ein jugendlicher Mensch wirklich unter seinem Äußeren leidet oder krankhafte Verformungen bestehen. Allerdings sollte man solchen jungen Menschen dann auch klar machen, dass das körperliche Wachstum noch nicht abgeschlossen ist und unter Umständen dann weitere Eingriffe nötig macht, wenn schon früh operiert wird.

Bei so jungen Patienten liefert dann auch der Computer nicht mehr so stimmige Ergebnisse. Diese mögen zwar für den Zeitraum nach der OP zutreffen, aber wer kann schon mit Sicherheit sagen, welche Veränderungen das physiologische Wachstum mit sich bringt?